Internationale Initiativen
Jugendbegegnung im Kosovo - Fünf ÖsterreicherInnen berichten

Vom 12. bis 16. August 2011 fand ein Jugendaustausch im Kosovo statt. Organisiert wurde der Austausch von ERA- Environmentally Responsible Action Group im Rahmen des Projekts "EKOsovo - Development through Biodiversity", das vom Interkulturellen Zentrum begleitet und koordiniert wird. Die österreichischen TeilnehmerInnen Kristijan, Johanna, Rainer, Schirin und Karoline schildern ihre Eindrücke:

Auf den ersten paar Kilometern vom Flughafen Prishtina/Priština nach Peja/Peć im Westen des Kosovo ist mir aufgefallen, dass die Straße ganz neu war. So neu, dass der Asphalt noch pechschwarz war. Warum man die Strecke dann doch nicht mit 120 km/h hinter sich bringen kann, liegt an Kühen, denen die frisch asphaltierte Straße genauso zu gefallen scheint, wie den Menschen, die darauf herum düsen. Dort wo Brücken einen schmalen Schattenstreifen auf die Straße werfen, versammeln sich die Kühe, wie um eine Wasserstelle herum. Vom Hupen der Autofahrer zeigen sie sich wenig beeindruckt und so bleibt als einzige Lösung zu bremsen und im Slalom um die Tiere herum zu fahren.

Als Österreicher werden wir zunächst belächelt und am Beginn der gemeinsamen Reise bekommen wir oft den Satz zu hören: "Eure Probleme möchten wir haben!" Österreich gilt anscheinend als Vorzeigeland zum Beispiel in Sachen Mülltrennung und Recycling. Auch Ausrüstungstechnisch unterscheiden sich die österreichischen TeilnehmerInnen zunächst von den anderen.  Sie haben sich auf eine mehrtägige Wanderung in den Bergen eingestellt. Manche anderen TeilnehmerInnen dagegen sind nur mit Schulrucksack angereist. Wie unterschiedlich das Verständnis von Wandern sein kann, weiß Schirin aus Erfahrung: "Wenn man hier beschließt miteinander wandern zu gehen, dann kommt als Nächstes gleich die Frage: Und wer bestellt das Taxi?"

In Peja/Peć angelangt fallen die vielen teuren Autos mit westeuropäischen Kennzeichen auf. Im Laufe des Aufenthaltes erfahren wir, dass es sich dabei Großteils um Auslands-Kosovaren handelt, die im Sommer auf Heimurlaub sind. Der Kosovo ist ein multikultureller Staat, erklärt Kristijan. Dies äußert sich vor allem in zwei Dimensionen:  Die erste, offensichtliche, besteht aus der Tatsache der Heterogenität des Kosovo, nicht umsonst zeigt die Flagge des Kosovo sechs gelbe Sterne, die für die verschiedenen im Land lebenden ethnischen Gruppen stehen. Die zweite Dimension wird im Sommer sichtbar. Nämlich dann, wenn viele Kosovaren aus ganz Europa und Nordamerika "nach Hause" kommen um den Sommer dort zu verbringen. Das tun sie aber nicht ohne Produkte, Ideen und Sprachen aus ihren neuen Heimatländern mitzubringen. Die Kinder der Heimkehrenden sprechen untereinander auch die Sprache des neuen Heimatlandes.

Außer ihnen gibt es relativ wenige Touristen und so fallen wir auf und werden aufgrund unseres westlichen Aussehens öfters angesprochen. Die Menschen freuen sich sichtlich über ausländischen Besuch. Sogar auf der entlegensten Alm werden wir zu unserem Erstaunen auf Hochdeutsch begrüßt. Die Mädchen erzählen uns, dass sie, ebenfalls auf Heimaturlaub, ein paar Tage in den Bergen verbringen. Sie warnen uns vor Wölfen, eine Begegnung mit den Tieren bleibt aber zum Glück aus. Nur ein Hund verirrt sich in der Nacht in die Nähe des Lagers.  Dafür fällt der Müll auf, besonders in jenen Gegenden, die für Tagesausflügler zugänglich sind.

Generell fühlen wir uns sehr willkommen. Die Leute sind freundlich, beäugen uns mit Neugierde und fragen, wieso es uns denn in den Kosovo verschlagen hat. Vor allem jene siebenköpfige Familie, welche uns am Busbahnhof auf Deutsch ansprach, uns Hilfe anbot und dann die ganze Fahrt nach Montenegro über mit Snacks versorgte, wird uns in Erinnerung bleiben.

In Erinnerung bleiben wird Kristijan das ganze Projekt: "Das Programm, die TeilnehmerInnen, die TrainerInnen, das Setting an sich und die Umgebung, die Berge, Wälder und Seen - In diesen insgesamt 12 Tagen habe ich Motivation erhalten, gemeinsam mit anderen TeilnehmerInnen auch ein Projekt zu entwickeln. Dieses könnte der nachhaltigste Effekt der Reise sein."