Leitbild

Grundlegende Orientierung des Interkulturellen Zentrums

Das Leitbild des Interkulturellen Zentrums beschreibt den gesellschaftspolitischen Rahmen und begründet die Notwendigkeit interkultureller Bildungsarbeit. Es repräsentiert die Überzeugungen und Ziele der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen, die sich für Verständigung und gewaltfreie Konfliktlösung zwischen Menschen verschiedener Kulturen einsetzen. Die Einlösung der hohen Ansprüche an die Qualität interkultureller Arbeit erfordert neben vielfältigen Kompetenzen der Mitarbeiter/innen auch eine dynamische Arbeits- und Organisationskultur, die von der Bereitschaft zu Reflexion und Innovation geprägt ist.

Die Welt ist in Bewegung
Die weltweite Verflechtung der Wirtschaft, neue politische Zusammenschlüsse und beschleunigte technologische Entwicklungen, aber auch Kriege, politische und ökologische Krisen in vielen Gebieten der Welt verändern Lebensbedingungen grundlegend. Nicht nur in Europa werden widersprüchliche Tendenzen spürbar: Einerseits werden Grenzen zwischen Staaten aufgehoben, damit größere wirtschaftliche und politische Einheiten entstehen können; andererseits erwachen alte Nationalismen, und neue Formen der Ausgrenzung und der Diskriminierung gefährden das demokratische Zusammenleben. Grenzen werden überwunden, andere werden geschaffen. Die rasanten Veränderungen und Umbrüche stellen nicht nur hohe Ansprüche an den einzelnen Menschen, sie verunsichern auch große gesellschaftliche Gruppen.

Menschen sind in Bewegung
Die Internationalisierung von Wirtschaft, Politik und Kultur bedeutet auch, dass die Beziehungen zwischen Menschen aus verschiedenen kulturellen Kontexten zum Normalfall öffentlichen und alltäglichen Lebens werden. Internationale Verflechtung zwischen Kontinenten, Staaten und Regionen betrifft Menschen in vielfältiger Weise: Ungleich entwickelte Arbeitsmärkte sowie unterschiedliche ökonomische Chancen bedingen alte und neue Armut und erzwingen Wanderungsbewegungen über die Grenzen von Staaten und Kulturen. Menschen werden mit unterschiedlichen Weltbildern, Einstellungen und Lebensformen in ihrem unmittelbaren Lebensalltag konfrontiert. Gegensätzliche Ideologien und Wertvorstellungen sowie unterschiedliche Lebensentwürfe und Verhaltensformen widersprechen oft den eigenen Gewissheiten und Überzeugungen. Soziale und ökonomische Ungerechtigkeiten führen zu Ausgrenzung und Aggression. Begegnungen mit Fremdem und Fremden erschüttern das Gewohnte und Selbstverständliche und stellen die Antworten der eigene Kultur wieder in Frage.

Interkulturelle Pädagogik
Pädagogisches Handeln kann Politik nicht ersetzen. Es ist aber auch nicht bloß die Umsetzung gesellschaftspolitischer Vorgaben, sondern schließt deren Analyse und Kritik ein. Politische Entscheidungen müssen den gesellschaftlichen Rahmen sichern, in dem Menschen ihre Grundrechte ausüben können und in dem demokratisches Zusammenleben möglich ist. In vielen Bereichen muss Politik diese Bedingungen erst schaffen.
In einer Situation der Unübersichtlichkeit, in der sich individuelles Wissen, soziale Verhaltensformen und persönliches Handeln immer weniger auf bewährte Traditionen berufen können, hat Bildung eine entscheidende Bedeutung. In einer sich ständig wandelnden Umwelt schafft sie Orientierung und wird damit unverzichtbar für den lebenslangen Prozess menschlicher Identitätsfindung. Bildung bedeutet nicht nur die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten, sondern auch die Entwicklung von sozialer Kompetenz und persönlicher Integrität.
Ziel einer interkulturellen Pädagogik ist die Vermittlung von Erkenntnissen, die Bestärkung von Motivationen und die Ermutigung zu Handlungsformen, die die Menschen befähigen, ihre Grundrechte wahrzunehmen und an der Gestaltung demokratischer pluralistischer Gesellschaften aktiv mitzuwirken.
Der Wandel gesellschaftlicher und kultureller Bedingungen macht eine verständigungsorientierte Begegnung mit anderen Kulturen und Lebensformen notwendig. Interkulturelle Pädagogik sieht in der kulturellen Vielfalt eine Bereicherung des individuellen Menschseins und tritt für ein friedliches Miteinander ein. Sie will Gemeinsamkeiten und Widersprüche zum eigenen kulturellen Orientierungssystem bewusst machen, indem sie Menschen anregt, sich mit anderen Formen der Wahrnehmung und des Denkens, unterschiedlichen Wertvorstellungen und Handlungsformen auseinanderzusetzen und diese verstehen zu lernen, mit dem Ziel, dass Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft einander mit Respekt und Anerkennung begegnen. In diesem Sinne wendet sich interkulturelle Pädagogik ausdrücklich gegen alle Formen von Gewalt und Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Ziele und Arbeitsfelder des Interkulturellen Zentrums
Das Interkulturelle Zentrum gibt in seiner Arbeit selbstreflexiven, erfahrungsorientierten und sozialen Lernprozessen den Vorrang vor rezeptiver Aneignung von Wissen und technischer Einübung in Praktiken. Persönliche Begegnungen und gemeinsames Handeln werden als zentrale Beiträge zur Entwicklung von Verständnis und Wertschätzung gegenüber Menschen mit anderen Weltbildern und Lebensformen verstanden. Interkulturelle Erlebnisse, die in der Kindheit, der Jugend und im Erwachsenenalter gemacht werden, können ebenso die Neugier auf Unbekanntes und einen offenen Umgang mit fremden Kulturen bewirken, wie Fremdenfurcht, Fremdenhass und monokulturelle Isolation. Positive Erfahrungen in der Begegnung mit dem Fremden ereignen sich selten zufällig; sie bedürfen einer geplanten pädagogischen Vorbereitung, Begleitung und Reflexion.
Das Interkulturelle Zentrum unterstützt die Entwicklung von Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft und bildet Personen in interkulturellen Praxisfeldern aus (z.B. Multiplikator/innen in der Jugendarbeit, Pädagog/innen). Darüber hinaus versteht es sich als Mittler zwischen politischen Entscheidungsträgern und interkulturell engagierten Einrichtungen (z.B. Jugendorganisationen, Basisinitiativen) mit dem Ziel, weitere qualitative Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Begegnung und Zusammenarbeit zu schaffen.
Insbesondere versucht das Interkulturelle Zentrum durch gezielte Information und Öffentlichkeitsarbeit, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für interkulturelle Jugend und Schulprojekte zu verbessern. Es bietet Aus und Weiterbildungsveranstaltungen an, die der Entwicklung interkultureller Kompetenzen dienen und die Entstehung internationaler Netzwerke von Organisator/innen und Pädagog/innen unterstützen. Durch beispielhafte Begegnungs- und Fortbildungsprojekte sollen Anregungen zu Innovation oder zu qualitativer Verbesserung bestehender Kooperationsprojekte entstehen.

Die Organisation des Interkulturellen Zentrums
Das Interkulturelle Zentrum ist ein gemeinnütziger, unabhängiger Verein, der von einem ehrenamtlicher Vorstand aus Expert/innen und einer hauptamtlichen Geschäftsführung geleitet wird. Das Team der IZ - Mitarbeiter/innen arbeitet mit großer Eigenverantwortlichkeit und Initiative an der Umsetzung der Ziele. Ein Kuratorium, bestehend aus Wissenschaftler/innen, Künstler/innen und Personen des öffentlichen Lebens, unterstützt die Arbeit.
Die Aktivitäten des Interkulturellen Zentrums werden regelmäßig evaluiert. Dies geschieht zum einen in der Zusammenarbeit mit den Auftraggebern, zum anderen durch die Erhebung zielgruppenspezifischer Rückmeldungen über die Qualität der Bildungsarbeit und Serviceleistungen des Interkulturellen Zentrums. In regelmäßigen Abständen reflektieren Vorstand, Geschäftsführung und Mitarbeiter/innen die inhaltliche, methodische und organisatorische Qualität ihrer Arbeit. Strukturelle Entwicklungen der Organisation werden gemeinsam mit externen Berater/innen erarbeitet.