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Interkulturelles Zentrum
Position:   Schule > Schulpartnerschaften > Lexikon
Partner

Alice Scridon

alice.scridon@iz.or.at
T:+43/1/586 75 44-17

   

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Beispiele

Einige Beispiele von Schulpartnerschafts-
projekten finden Sie hier

   

Infos und Tipps von A-Z

Ankunft


Aufsichtspflicht


Bildungssysteme


Checklist Schülerbegegnung


Definition "Internationale Schulpartnerschaft"


Evaluation


Forschung SchülerInnenaustausch


Förderung


Gastfamilie





 


Gastgeschenke


Kurz vor der Abreise stellt sich zumeist die Frage nach Gastgeschenken. Insofern es darum geht, "etwas Typisches" mitzubringen bietet sich ein Anlass, über Klischee und Wirklichkeit zu reflektieren und bei der Auswahl statt (teurer) traditioneller Kunsthandwerke lieber symbolische, die Kommunikation stimulierende Mitbringsel zu wählen. Eine alte (Schul-)karte, eine CD der Schulband, eine von Schüler/innen verfasste Gedichtsammlung oder ein Schülervideo über den Herkunftsort regen das Interesse der Gastgeber an, mehr über Kultur und Lebensart der Besucher zu erfahren.


Gefahr


Bei Reisen mit Schülergruppen in Länder außerhalb der Europäischen Union ist es in jedem Fall ratsam, Fragen der Reisesicherheit mit der Partnerschule im Voraus zu besprechen. Auf der Homepage des Außenministeriums werden aktuelle länderspezifische Reisewarnungen veröffentlicht.
http://www.bmeia.gv.at/view.php3?f_id=1822&LNG=de


Gleichwertigkeit


Die Gestaltung einer Schulpartnerschaft soll in gemeinsamer Absprache vereinbart werden, damit den spezifischen Bedürfnissen aller Beteiligten Rechnung getragen werden kann. Erfahrungen zeigen, dass Partnerschaftlichkeit und Stabilität von Schulkooperationen dann entstehen, wenn alle am Bildungsprozess Beteiligten (Lehrer/innen und Schüler/innen aus Ländern des Westens und des Ostens, des Südens und des Nordens) an der Entwicklung des pädagogischen Konzepts mitwirken. Durch die Einbindung in alle wichtigen Entscheidungen entwickeln sich Identifikation mit den gemeinsamen Zielen und Motivation zur Zusammenarbeit.


Intensivsprachwochen


Das Bildungsministerium für Unterricht, Kunst und Kultur stellt interessierten Lehrkräften die Broschüre "Intensivsprachwoche im Ausland" zur Verfügung. Sie enthält wertvolle Hinweise zur Gestaltung von Projektwochen im Ausland. Die Broschüre ist in einen pädagogischen und einen rechtlichen Teil gegliedert und beinhaltet umfangreiche Literaturlisten sowie Erfahrungsberichte einzelner Schulen.
Die Broschüre ist in gedruckter Form erhältlich bei: AMEDIA Service Büro, Sturzgasse 1a, A-1141 Wien, Tel.: 01/9821322-365, Mo-Fr 7:30-13:00.


Interkulturelles Lernen


Der "interkulturellem Lernen" zugrundeliegende Kulturbegriff läßt sich mit Freud so verstehen, "daß das Wort Kultur die ganze Summe der Leistungen und Einrichtungen bezeichnet, in denen sich unser Leben von dem unserer tierischen Ahnen entfernt und die zwei Zwecken dienen: dem Schutz des Menschen gegen die Natur und die Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander." (FREUD 1986)
Solcherart ist Kultur Produkt eines geschichtlichen Prozesses, in der dialektischen Beziehung zur Natur vermittelter Entstehungsakt der menschlichen Gattung. (HABERMAS 1981). Dabei sind zwei evolutionäre Linien sichtbar: einerseits die Entwicklung instrumentellen Wissens, das die Beziehung des Menschen zur gegenständlichen Welt regelt, andererseits stellen sich mit der Notwendigkeit menschlicher Kooperation sozio-kulturelle Anforderungen, von deren Erfüllung das Überleben der Gattung und individuelle Existenz abhängig sind. Durch Kultur vermitteln sich symbolisch: handlungs-relevantes Wissen, gemeinsame Wertorientierungen und schließlich das Konzept dafür, wie Individuen in eine Gesellschaft hineinwachsen.
Damit ist klar, dass unter Kultur ein Orientierungssystem verstanden wird, das das (Zusammen-)leben von Menschen regelt, und dadurch in erster Linie Relevanz für den Alltag hat - stellvertretend für diese Auffassung steht LARCHER 1992. In den Äußerungen der so genannten "Hochkultur" - sei es Architektur, Kunst oder Mode - spiegeln sich Elemente dieses Orientierungssystems, sie sind jedoch nicht mit "Kultur" gleichzusetzen.
Um dies zu verdeutlichen, wird in der einschlägigen Literatur das der Freud'schen Theorie vom Unbewussten entlehnte, so genannte Eisbergmodell zitiert: Hochkultur ist nur die Spitze des Eisberges - ein Achtel des Eisberges (die Schöpfungen der Hochkultur) bloß ragt aus dem Wasser und ist sichtbar. Sieben Achtel des Eisberges jedoch sind im Wasser verborgen - analog zum immunisierten Kern gemeinsamer Werte und Überzeugungen.
Auf dem erläuterten Kulturbegriff baut nun auch eine Definition auf, die sich als ziel führend für das Verständnis interkulturellen Lernens erwiesen hat: "Interkulturelles Lernen findet statt, wenn eine Person bestrebt ist, im Umgang mit Menschen einer anderen Kultur deren spezifisches Orientierungssystem der Wahrnehmung, des Denkens, Wertens und Handelns zu verstehen, in das eigenkulturelle Orientierungssystem zu integrieren und auf ihr Denken und Handeln im fremdkulturellen Handlungsfeld anzuwenden. Interkulturelles Lernen bedingt neben dem Verstehen fremdkultureller Orientierungssysteme eine Reflexion des eigenkulturellen Orientierungssystems."(THOMAS, A.1988)


Konflikte


Ganz allgemein sollte der/ die LehrerIn während der Begegnung nur im Notfall selbst "Troubleshooter" sein; im übrigen wird es darauf ankommen, aktiv die Rolle des/ der BeraterIn einzunehmen, d.h. nicht nur abzuwarten, bis "etwas passiert" ist, sondern selbst die Stimmung unter den eigenen SchülerInnen auszuloten. Nachfragen heißt die Devise, und dies wird wohl auch einer der häufigsten Tipps sein, den LehrerInnen Hilfe suchenden SchülerInnen geben können: "Wenn euch etwas belastet oder auf die Nerven geht, fragt nach, was es damit auf sich hat, auch wenn ihr euch dabei eigenartig vorkommt. Nicht alle Spannungen werden sich durch besseres Verständnis der Situation lösen lassen, aber Teilerfolge sind euch sicher! All das ist übrigens nicht mit mangelndem Taktgefühl zu verwechseln...".


Kommunikation


"Message" statt Medium: nicht die technologische Potenz neuer Kommunikationstechnologien macht die Qualität internationaler Bildungskooperationen aus, sondern der transportierte Inhalt. Obwohl zunehmend mehr Schulen über E-mail-Zugänge verfügen, die Kommunikation direkter und schneller machen, sollte dieses Medium nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Traditionelle Formen der Korrespondenz (Briefe und Pakete) haben als verlässliche Kommunikationsmittel längst nicht ausgedient.


Lernziele


Der durch internationale Schulpartnerschaften initiierte Lernprozess zielt ebenso auf die Erweiterung von Kenntnissen und Fertigkeiten, wie auf die Entwicklung von Werten, Einstellungen und Verhaltensweisen im Sinne der Offenheit, Toleranz und Wertschätzung gegenüber dem (noch) fremden Mitmenschen.
Die Untersuchung des Zentrums für Schulentwicklung nennt an festgestellten positiven Auswirkungen auf die Schüler/innen:
- Verständnis, Toleranz, Aufgeschlossenheit (46%)
- Interesse an Fremdem, globalen Vorgängen (18%)
- Erweiterung des Horizonts (18 %) und
Positive Effekte auf das Interesse an Sprachen (10,7 %).
Quelle: Zentrum für Schulentwicklung Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten (Hrsg.): Internationalisierung an Österreichs Schulen. Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung im Schuljahr 1996/97. Graz 1999


Mobilität für Lehrkräfte


Comenius 2 unterstützt transnationale Projekte und Mobilitätsmaßnahmen, die der beruflichen Entwicklung des Schulpersonals dienen. Dabei sollen alle Phasen und Aspekte der beruflichen Entwicklung (Ausbildung, Berufseinführung, Fortbildung) Berücksichtigung finden. Durch den Erwerb der erforderlichen theoretischen und Praktischen Fachkenntnisse und Fähigkeiten soll das Angebot einer qualitativ hochwertigen Bildung ermöglicht werden.
Info: http://www.lebenslanges-lernen.at
Studienbesuche für Expert/innen der Berufsbildung: http://www.trainingvillage.gr/etv/default.asp


Osteuropa-Projekte


Sind Schulpartnerschaften mit Osteuropa anders? Grundsätzlich verfolgen Schulpartnerschaften mit Ländern in Ost- und Südosteuropa dieselben Ziele, die für internationale Schulkooperationen im Allgemeinen formuliert wurden. Auch hier geht es um die Überwindung der traditionellen nationalen Motive des Bildungswesens zugunsten einer europäischen Perspektive; Wissen über den anderen und persönliche Begegnungen können auch in Schulpartnerschaften mit Osteuropa zu einem Bewusstsein gemeinsamer Werte und zur Entwicklung von Toleranz führen; die in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts notwendigen Schlüsselkompetenzen können auch in Schulprojekten mit Ländern außerhalb der Europäischen Union entwickelt werden.
Wenn auch keine prinzipiellen Unterschiede zu EU-Projekten bestehen, so zeigt sich, dass internationale Schulpartnerschaften mit Osteuropa in der Praxis aufgrund der jahrzehntelangen Teilung Europas in die Blöcke "Ost" und "West" und der damit verbundenen Sprachlosigkeit doch vor erhöhten Anforderungen stehen. Während Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, aber auch Griechenland oder Portugal sowohl von persönlichen (Urlaubs-)erfahrungen als auch durch viele medial vermittelte Informationen vertraut erscheinen, so sind die persönlichen Erfahrungen oder differenzierten Medienberichte über die Slowakei, Polen und die Ukraine bislang nur sehr spärlich. Daraus kann sowohl bei Schülern als auch bei Lehrkräften und Eltern Unsicherheit und Zurückhaltung entstehen, die besonderer pädagogischer Sorgfalt bedarf.
Gerade mit den Ländern in Ost- und Südosteuropa, mit denen der Diskurs über gesellschaftliche, politische und kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede erst vor kurzem begonnen worden ist, ist der paradigmatische Wechsel von der Projektorientierung zur langfristigen Partnerschaft von großer Bedeutung, da sich erst durch die Kontinuität Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung entwickeln können, die als Grundlage für den Bildungsprozess eines gemeinsamen Europas unerlässlich sind. Dabei geht es nicht allein um das Lernen über den anderen sondern um Kommunikation und Kooperation mit dem Partner.


Österreich im internationalen Kontext


Im Bereich der Bildung wurden im letzten Jahrzehnt auf internationaler sowie nationaler Ebene verschiedene Programme und Initiativen zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit von Schulen gestartet. Sie alle verfolgen das Ziel, durch die grenzüberschreitende, praktische Zusammenarbeit von Schulen die Kooperation zwischen den Bildungssystemen in ganz Europa zu erhöhen, das Bewusstsein für die Zusammengehörigkeit der verschiedenen europäischen Kulturen zu vertiefen und die europäische Identität der Bürger zu stärken.
Österreich hat sich in den internationalen Kontexten des Europarates, der Europäischen Union und der UNESCO besonders für die Zusammenarbeit von Schulen eingesetzt und auf politischer und administrativer Ebene an der Entwicklung von Initiativen und Programmen mitgewirkt, deren inhaltliche und methodische Leitlinien die grenzüberschreitende schulische Kooperation unterstützen.
Das Interesse Österreichs, die schulischen Beziehungen zu den Nachbarländern Mittel- und Osteuropas zu intensivieren wurde seit Beginn der Neunziger Jahre besonders in den Gremien und Arbeitsgruppen des Europarates und durch die Initiative zu innovativen internationalen Seminaren und spezifische Publikationen zum Ausdruck gebracht.
Auch bei der Vorbereitung zur Teilnahme der neuen Mitgliedsstaaten am SOKRATES Programm der Europäischen Union hat Österreich wichtige Unterstützung geleistet.
Im Rahmen der UNESCO initiierte Österreich zuletzt etwa das Hilfsprojekt "Steirische Schüler helfen Georgischen Schülern" und unterstützte Pilotprojekte zum Thema "Nachhaltige Entwicklung. Wege zu einer Kultur des Friedens". Hinsichtlich der Bildungskooperation zwischen den EU-Mitgliedstaaten und den Ländern in Mittel, Ost- und Südosteuropa sind besonders diejenigen Projekte des Europarates, der Europäischen Union und der UNESCO zu nennen, die direkt oder indirekt die Entwicklung internationaler Schulpartnerschaften fördern.


Qualitätsmerkmale


In der Reflexion internationaler Projekte weisen Lehrkräfte besonders auf die Bedeutung ihrer persönlichen Motivation sowie ihr Vertrauensverhältnis zur Lehrkraft der Partnerschule hin. Motivation und Vertrauen bilden gewissermaßen die Grundlage der internationalen Kooperation.
Darüber hinaus werden als wichtigste Faktoren einer qualitativ zufrieden stellenden Schulpartnerschaft angegeben:
- das Ausmaß, in dem es gelingt, die Projektaktivitäten mit dem regulären Unterricht in Einklang zu bringen (sonst droht nicht nur eine zusätzliche Arbeitsbelastung, die sich auf Dauer negativ auswirkt, sondern auch eine Vernachlässigung der herkömmlichen pädagogischen Aufgaben);
- die Entwicklung eines LehrerInnenteams in der eigenen Schule, das professionell agiert und dabei Freude an der Kooperation hat (andernfalls ruht die Last der Schulpartnerschaft auf einer einzigen Person, deren Reflexionspotential meist nicht den komplexen Anforderungen der interkulturellen Kooperation genügen; außerdem sind fächerübergreifende Ansätze, die sich in der Praxis des Projektunterrichts bewährt haben, nicht möglich)
- die Motivation der Schüler/innen, sich auf Unbekanntes einzulassen;
- die soziale Dynamik in der Projektklasse, die die notwendige Offenheit gegenüber einer anderen Gruppe zulässt;
- die Unterstützung einer Schulleitung, die erkennt, dass nicht nur die Projektklasse sondern die ganze Schule von internationalen Initiativen profitieren kann;
- das Einbeziehen der Eltern, die in vielfältiger Weise als Ressource dienen können (Fremdsprachenkenntnisse, Unterbringung von Schüler/innen und Lehrer/innen, Reisebegleitung, Programmgestaltung, etc.) und
- das Interesse, das bei der Gemeinde sowie örtlichen Einrichtungen und Firmen geweckt werden kann (Hilfe bei der Programmgestaltung, Arbeits- und Begegnungsräume, finanzielle Mittel, Informationsmaterial, etc.)
Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass die interkulturellen Aspekte von Schulpartnerschaften (und die daraus resultierenden Unsicherheiten, Bedenken und Widerstände) große Ansprüche an alle Beteiligten richten. Die Herausforderung besteht darin, sich auf das Abenteuer eines komplexen Bildungsprozesses einzulassen, die eigenen Grundwerte und das eigene Verhalten im Spiegel einer anderen Kultur zu reflektieren und sich letztendlich mit sich selbst zu konfrontieren: "Austausch als Form des Lernens und Lehrens ist für die am Lernprozess beteiligten Kinder und Erwachsenen im Wesentlichen ein Schlüssel zur Welt und zu sich selbst.


Pädagogische Vielfalt


Internationale Projekte brauchen je nach gesellschaftlicher und kultureller Situation unterschiedliche didaktische Ansätze. Was in einem Wiener Gymnasium als akzeptables pädagogisches Handeln akzeptiert wird, kann schon Schüler/innen in Sarajevo entmutigen, was Jugendliche in der Ukraine bewegt, lässt Kids in Salzburg kalt, usw. In jedem Falle: es gibt kein richtiges oder falsches Unterrichten -aber Kooperation mit Lehrer/innen aus anderen Ländern kann neue Ideen und den Mut erzeugen, andere Lernformen auszuprobieren.


Partnerschaft


"Partnerschaft" ist eine Qualität, die in der Verantwortung aller beteiligten Schulen liegt. Sie ist nur in langfristiger Zusammenarbeit zu verwirklichen und bedarf der systematischen Förderung aller Akteure der Schulgemeinschaft. Partnerschaftliches Lernen braucht wechselseitiges Vertrauen, das sich nur langfristig entwickeln und vertiefen kann. Erfahrungen zeigen, dass internationale Bildungsprojekte langfristig geplant werden müssen, um tatsächlich zu zufrieden stellenden Ergebnissen kommen zu können. Kooperationen zwischen Schulen benötigen etwa ein Jahr für das gegenseitige Kennen lernen von Schüler/innen, Schule und Land bevor Schüleraustausch sinnvoll erscheint. Soll die Themenauswahl nicht einseitig definiert sondern kooperativ vorgenommen werden, so sind - auch bei Verwendung elektronischer Medien - mehrere Wochen dafür einzuplanen. Ebenso brauchen begleitende Reflexion und Evaluation, die Erfahrungen erst zu Bildung machen, ausreichend Zeit.
"Partnerschaften" brauchen vielfältige Unterstützung und Förderung, wie etwa rechtliche Rahmenbedingungen, curriculare Verankerung, Zustimmung der Schulbehörden, Zugang zu Unterrichtsmaterialien und Kommunikationswegen und finanzielle Mittel. Obwohl es sich in der Praxis als schwierig erweist, auch in organisatorischer und finanzieller Hinsicht Gleichwertigkeit zwischen den Partnern herzustellen, lohnt sich doch der Versuch, Beiträge und Unterstützung partnerschaftlich einzubringen. Dabei geht es nicht um eine exakte Aufteilung von Kosten, sondern um der jeweiligen Landessituation angepasste Formen der Beteiligung (Freistellung von Lehrer/innen, Seminarorte, rechtliche Unterstützung usw.). Nach Möglichkeit sollten beteiligte Länder die Verantwortungen und das Engagement miteinander vereinbaren.


"Ost-West" Partnerschaften


Vielfältigen Erfahrungen zeigen, dass es besonderer Impulse und Hilfestellungen bedarf, um langfristige Ost-West Schulpartnerschaften zu initiieren bzw. qualitativ weiterzuentwickeln. Folgende Probleme kennzeichnen die Praxis:
- Vorurteile und Fehlinformationen in westeuropäischen Ländern verhindern oft partnerschaftliche Beziehungen;
- für viele Schulen in Mittel- und Osteuropa ist es sehr schwierig Partner "im Westen" zu finden, da das Interesse anfänglich weitgehend einseitig ist;
- Authentische Informationen über Kultur und Lebensweise in Mittel-/Osteuropa sind oft schwer zugänglich;
- In westeuropäischen Ländern gibt es beinahe keine Kenntnisse mittel- und osteuropäischer Sprachen. Selten werden Polnisch, Russisch, Tschechisch oder Ungarisch als Freifach gelehrt;
- Die Kommunikation erweist sich in vielerlei Hinsicht für osteuropäische Schulen (Ausstattung der Schulen, Knappheit finanzieller Mittel und Unerfahrenheit der Lehrkräfte) als schwierig;
Die Unterschiede in bezug auf "Schule", "Unterricht", "Unterrichtsstil", "Lernziele" sind oft beträchtlich. Traditionen des "Projektunterrichts" fehlen in osteuropäischen Ländern völlig, auch in zahlreichen westeuropäischen Ländern stehen sie im Gegensatz zum alltäglichen Unterricht.
Projektunterricht
Kernelement einer SchülerInnenbegegnung ist der gemeinsame Projektunterricht. Eine gemeinsame Vorbereitung durch die Lehrerteams der Partnerschulen ist unbedingt notwendig. Dabei gilt es, thematische Schwerpunkte, Ziele, Methoden und Unterrichtssprache zu vereinbaren. Darüber hinaus ist aber die Verwendung der Unterrichtssprache so zu planen, dass ein Höchstmass an Partizipation für die Schüler/innen möglich ist. Günstig ist es auch, den gesteigerten Bedarf an gemeinsamer Besprechungszeit mit den Kolleg/innen der Partnerschule zu planen - eine tägliche Reflexionsrunde im Ausmaß von etwa einer Stunde erlaubt eine kontinuierliche Evaluation der Begegnung bzw. eine Anpassung des Programms an die jeweilige Situation.
Im Grundsatzerlass zum Projektunterricht. Tipps zur Umsetzung, BM:BWK, Wien 2001 sind die besprochenen Orientierungen und praktischen Schritte im Detail beschrieben.
http://www.bmukk.gv.at/ministerium/04/GZ_10.0775-I4a2001_Grund5411.xml


Rechtliche Bestimmungen


Aktivitäten im Rahmen internationaler Schulpartnerschaften sind durch die am 1.9.1995 in kraft getretene Schulveranstaltungsverordnung geregelt. Eine Übersicht findet sich auf http://www.aps-noe.at/broschueren/schulveranst.pdf - sie beinhaltet auch die "Bauschvergütungen für Schulveranstaltungen".


Schulprogramm


Die Nachhaltigkeit mit Enthusiasmus begonnener Projekte kann durch fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen gesichert werden, insbesondere dann wenn auch Direktion und Elternvertretung die Partnerschaft unterstützen. Die Verankerung im Schulprogramm trägt zur Stabilität von Partnerschaften bei. Anregungen für die Entwicklung eines europaorientierten Schulprogramms gibt die so genannte "Kölner Erklärung": http://www.k.shuttle.de/k/europaschule/die_koelner_erklaerung.html


Sprachenvielfalt


Für Schulpartnerschaften allgemein gilt: Die Kommunikation soll im Mittelpunkt stehen, deshalb sollten neben der Arbeitssprache auch andere Sprachen verwendet werden, die entweder in der Schule unterrichtet werden oder in der multikulturell zusammengesetzten österreichischen Klasse sowieso gesprochen werden.


Themen


Bildungskooperationen brauchen einen inhaltlichen Fokus, um den sich die Zusammenarbeit der Schulen organisiert. Erfahrungen zeigen, dass Themen, die für alle Beteiligten relevant sind, wie etwa "Alltag und Familie", "Europa", "Menschenrechte", "Ökologie", "Frieden", "Zukunft", "Demokratie", "Kunst", "Bildung" aber auch "Tourismus", "wirtschaftliche Entwicklung" und "Architektur" sich am besten eignen.


Visum


Die aktuellen Einreisevoraussetzungen für Österreicher im Ausland und Einreisevoraussetzungen für ausländische Staatsangehörige nach Österreich können auf der Home-page des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten abgefragt werden:
http://www.bmeia.gv.at/view.php3?f_id=1356&LNG=de&version=


Vorbereitung


Vor interkulturellen Jugendbegegnungen ist es sinnvoll, schriftliche Kontakte zu initiieren, die zu einem ersten Kennenlernen der Partner führen sollen. Briefe - ob per Post befördert oder durch moderne Informationstechnologie übertragen - unterstützen Jugendliche dabei,
- Hemmungen, sich in einer Fremdsprache zu verständigen, abzubauen,
- sich selbst darzustellen und sich Gedanken über das Mitteilenswerte aus dem eigenen Leben zu machen,
- sich mit dem eigenen Land und seiner Kultur zu beschäftigen,
- sich mit dem Partnerland zu beschäftigen,
- zu realisieren, dass das Bild über das eigene und das Partnerland stark von den Sichtweisen nationaler Medien geprägt ist
- traditionelle (wenngleich auch vielfach kaum mehr gebrauchte) und moderne (noch selten für persönliche Kontakte genutzte) Kommunikationsmittel auszuprobieren.
Erfahrungen zeigen, dass Koordination und Anleitungen zur Kommunikation durch die Lehrperson den Jugendlichen helfen, die ersten Unsicherheiten beim Briefe Schreiben zu überwinden. Sinnvoll erscheint ein Austausch einer Liste der beteiligten Schüler/innen (mit Angabe der persönlichen Adresse, des Alters, des eigenen Geschlechts und das des gewünschten Partners, der möglichen Kommunikationssprache/n), die eine Zuordnung der Korrespondierenden erleichtert. Die von den Schüler/innen oft gestellte Frage "Und - was sollen wir schreiben?" sollte für die Schülergruppe zum Ausgangspunkt einer Untersuchung und Sammlung interessanter Themen gemacht werden ("Was möchte ich mitteilen?" "Was könnte die Partner/innen interessieren?", "Was möchte ich von meinen Partner/innen wissen?"). Im Vordergrund soll hier der inhaltliche Wert der Kommunikation stehen, nicht bloß die Technik des Mediums, das E-Mails versenden kann.
Ebenfalls der Vorbereitung einer internationalen Begegnung dient das Sammeln von Material mit dem das eigene Land präsentiert werden kann. Bewährt hat sich dabei ein "brain-storming", bei dem die Klasse Ideen sammelt, was dargestellt werden sollte und in welcher Form dies geschehen soll. Die Schüler/innen werden angeregt, sich mit dem eigenen Land auseinanderzusetzen: Kunst (Malerei, Literatur, Musik, Tanz), Geschichte (historische Beziehungen zum Partnerland), Alltagskultur (Architektur, Ernährung, Mode), Geographie (landschaftliche Besonderheiten, Naturparks), Wirtschaft (z.B. Tourismus) oder Sport (bekannte Sportler/innen) bieten Ansatzpunkte zur Gestaltung eines Mosaiks der eigenen Kultur. Zur Darstellung eignen sich Posters (die man in Reisebüros bekommen kann), Ansichtskarten (von Naturschönheiten, Politikern, historischen Persönlichkeiten), Fotos (z.B. vom Schulgebäude, von der Klasse oder Schülergruppen), Gedichte wichtiger Dichter/innen (mit eigener Übersetzung) und Rezepte (Apfelstrudel, Gulyàs, Powidltascherl) oder Kostproben nationaler Spezialitäten (Käse, Früchte, Süßigkeiten). Die Sammlung der "Materialien zur Landeskunde" sollte von der Diskussion um nationale Stereotypen begleitet werden - es ist lohnenswert, den Unterschied zwischen Klischee und dem Bild, wie sich die Schüler/innen selbst gerne sehen, herauszuarbeiten.


Versicherung


Bei Reisen in Länder außerhalb der Europäischen Union ist es (so nicht obligatorisch), ratsam, eine Unfall-, Kranken-, Reisehaftpflicht- sowie eine Reisegepäckversicherung abzuschließen, überlegenswert ist eine Stornoversicherung. Die angebotenen Leistungen sind sehr unterschiedlich, daher ist ein Preisvergleich lohnend.
Bei Besuchen ausländischer Schulklassen, die nicht aus dem EU Raum kommen, ist eine Versicherung der Schüler/innen (Unfall-, Krankenversicherung) abzuschließen.


Wertschätzung und Anerkennung


Von der Durchführung internationaler Schulprojekte profitieren in erster Linie natürlich die Schülerinnen und Schüler. Für sie entstehen Dank dem pädagogischen Engagement ihrer Lehrer/innen wichtige Chancen über die Grenzen hinauszusehen, Fremdsprache/n in der Praxis auszuprobieren, neue Freunde kennen zu lernen. Für die verantwortliche Lehrperson oder das kollegiale Team bedeutet die Vorbereitung und Durchführung eines internationalen Unterrichtsprojekts zumeist einen Mehraufwand: Die inhaltlichen Vorbereitungen sprengen oft den Rahmen der vorgesehenen Unterrichtszeit, organisatorische Arbeiten können nur zum Teil von der Schule aus durchgeführt werden, Absprachen mit den Kolleg/innen der Partnerschule brauchen Ruhe und sind in Pausen während der Unterrichtsstunden nicht zufrieden stellend zu führen. Gute Schulleiter/innen können in dieser anstrengenden Situation viel Unterstützung geben - von der Anerkennung des Projekts, bis zur Präsentation im Lehrerkollegium, von Anregungen zur Teamarbeit bis zur Berücksichtigung im Schulprofil. Eine Grazer Schule hat so zum Beispiel den Gegenstand "Internationale Kommunikation" als zusätzliches Angebot für die Schüler/innen eingerichtet.