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Platform for Social Change - Jahresbericht 2019

💡  Basisinfos

  • Projekt zur Förderung sozialen Engagements im Bildungsbereich
  • Beteiligte LĂ€nder: Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Russland, Tadschikistan
  • 4 lĂ€nderĂŒbergreifende Initiativen (in jeweils mindestens 3 LĂ€ndern) zu folgenden Themen: Environmental Awareness, Inclusion, Innovative Teaching, Media Literacy and Civic Education
  • April 2018 – Dezember 2019

 

Kleine lokale Initiativen verbessern nachhaltig ihre Umgebung


„Das Projekt zeigt, wie man mit kleinen lokalen Initiativen soziale VerĂ€nderungen herbeifĂŒhren kann“, erklĂ€rt Daniela Mussnig, die im IZ fĂŒr das Projekt verantwortlich war, „gerade Schulen und andere Bildungseinrichtungen spielen eine wichtige Rolle in ihren Gemeinschaften – und wir wollen sie motivieren, die auch aktiv zu nutzen und so ihre Umgebung positiv zu beeinflussen.“ Vier Beispielprojekte veranschaulichen, was das Projekt lokal bewirkt hat.
 

Kinder verÀndern ihre Stadt
Medienkompetenz und demokratische Bildung


Dato, ein 15-jĂ€hriger Junge aus Surami, einer Kleinstadt in Georgien, hat eine Idee: Die Jugendlichen der Stadt brauchen einen Ort, wo sie sich treffen und aufhalten können. In einem Projektworkshop seiner Schule haben er und seine Altersgenoss*innen VerĂ€nderungen identifiziert, die sie sich fĂŒr ihre Stadt wĂŒnschen. Und Datos Idee setzt sich durch. Die Jugendlichen beginnen, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen – durch einen Blog und auch offline. Sie gehen sogar zur Stadtverwaltung und ĂŒberzeugen sie von ihren Plan, einen verwahrlosten öffentlichen Platz umzugestalten. Und dann machen sie sich ans Werk: Sie rĂ€umen den MĂŒll weg, besorgen Materialien und schaffen einen Ort, an dem man sich gerne aufhĂ€lt. „Durch das Projekt hab ich viel gelernt – zum Beispiel, dass wenn man etwas wirklich will, nichts unmöglich ist“, erklĂ€rt Dato stolz. Auch von den Stadtbewohner*innen gibt es positive RĂŒckmeldungen: „Vorher war dort nur Unkraut und jetzt ist es ein richtig schöner Platz. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn sehe. Und wir alle wissen, dass die Kinder das umgesetzt haben!“ Die Jugendlichen werden ihr Projekt weiterfĂŒhren – sie haben Ideen, wie der Platz noch schöner werden und vor Verwahrlosung geschĂŒtzt werden kann.
 

Drei Generationen fĂŒr eine saubere Umwelt
Umwelt


Am Fluss Salassu in der russischen Region Dagestan gibt es viele seltene Planzenarten. Doch einige Menschen aus der Region machen sich Sorgen: „Das Ufer und der See selbst waren mit Plastikflaschen und anderem MĂŒll total verschmutzt“, erklĂ€rt Angela vom Verein fĂŒr interaktive Bildung. Da musste etwas passieren. So initiierte sie gemeinsam mit einer Schule aus Dylym Umweltaktionen, unter anderem die „Clean Games“, bei denen ĂŒber 100 Menschen gemeinsam MĂŒll sammelten. „Wir haben SchĂŒler*innen, Eltern und Großeltern durch diese eine gute Idee zusammengebracht“, erzĂ€hlt Angela. Am Ende waren sich alle einig: Die gemeinsame Aktion hat bei ihnen ein grĂ¶ĂŸeres soziales Bewusstsein geschaffen – und gleichzeitig konnten sie etwas Positives fĂŒr ihre Umgebung bewirken. Nach etwa einem Jahr gab es ein Treffen, bei dem fast 50 Menschen aus allen StĂ€dten Dagestans die Projektergebnisse begutachteten. „Alle Teilnehmenden konnten sehen, dass das Flussufer jetzt sauber war“, berichtet Angela stolz. Auch politische EntscheidungstrĂ€ger*innen erlebten das mit, erkannten die positiven Auswirkungen und ermutigten auch andere Bildungsinstitutionen zu solchen Projekten. Angestoßen von einer einzelnen Schule entwickelt sich gerade eine Umweltbewegung in der ganzen Region.
 

Erste Materialien in Leichter Sprache auf Armenisch, Aserbaidschanisch und Tadschikisch
Inklusion


Alle Kinder sollen gleichberechtigten Zugang zu Bildung haben. Stimmt? Nun, in Armenien, Aserbaidschan und Tadschikistan ist das oft noch ein Kampf. Gerade Kinder mit Lernschwierigkeiten sind hĂ€ufig ausgeschlossen von normaler Schulbildung. Das ist auch kein Wunder, erklĂ€rt Daniela Mussnig aus dem IZ-Team, denn bis vor kurzem gab in diesen drei Sprachen kaum Anleitungen, wie man fĂŒr diese Kinder verstĂ€ndliche Unterrichtsmaterialien entwickelt. „Hier hat eine Act-Projektgruppe angesetzt“, erzĂ€hlt Daniela, „Und die Materialien zur Leichten Sprache, die sie erarbeitet hat, waren zum Teil tatsĂ€chlich die ersten in den Landessprachen.“ Doch mit der Übersetzung war es nicht getan: Mithilfe der Materialien hat die Gruppe versucht, Eltern, Schulen und PĂ€dagogik-Studierende fĂŒr das Thema Inklusion zu sensibilisieren. Über Facebook-Gruppen und Treffen hat sie diese zusammengebracht, ihnen Tools an die Hand gegeben und sie miteinander vernetzt. „Dadurch wurden viele PĂ€dagog*innen ermutigt und befĂ€higt, fĂŒr die Kinder mehr Möglichkeiten zu schaffen“, berichtet Daniela, „Diese Menschen planen jetzt schon zukĂŒnftige Projekte zum Thema Inklusion.“
 

VĂ€ter unterstĂŒtzen ihre Kinder im modernen Alltag
Innovatives Lehren


Kinder sind im modernen Alltag Gefahren ausgesetzt. Einige davon sind sehr Ă€hnlich wie vor dreißig Jahren – zum Beispiel hĂ€usliche Gewalt –, andere sind neu. Um Kinder dabei bestmöglich unterstĂŒtzen zu können, haben PĂ€dagog*innen aus Armenien und Russland durch Befragungen die wichtigsten Herausforderungen identifiziert. Ein Kernthema war zum Beispiel „Sicherheit in sozialen Medien“. „Die Lehrer*innen waren der Meinung, dass es nicht reicht, diese Themen in der Schule zu besprechen – das muss auch zu Hause passieren“, erklĂ€rt Daniela Mussnig aus dem IZ-Team, „MĂŒtter sind da schon aktiv, aber VĂ€ter sind in diesen Regionen in der Erziehung oft wenig involviert oder unsicher.“ Das war der Auslöser fĂŒr eine Act-Projektgruppe, die „Schule fĂŒr verantwortungsbewusste VĂ€ter“ zu grĂŒnden. Die Initiative ermutigt VĂ€ter, sich stĂ€rker in der Erziehung ihrer Kinder einzubringen, etwa durch Trainings, wie man mit Kindern ĂŒber Sicherheit in sozialen Medien reden kann. Die Initiative hat auch Materialien erarbeitet, zum Beispiel 10 Impulse fĂŒr sinnvolle GesprĂ€che beim Abendessen. Vielleicht tauscht sich also gerade ein Vater in Armenien, der vor einem Jahr noch schweigend am Tisch gesessen wĂ€re, mit seinen Kindern ĂŒber einen sicheren Umgang mit Social Media aus – ermutigt durch das Projekt.

 

📃  Daten & Fakten

  • 19 Communities in 5 LĂ€ndern involviert
  • Über 180 Organisator*innen von AktivitĂ€ten
  • ca. 2.000 Engagierte in den AktivitĂ€ten
  • Über 4.900 Menschen wurden face-to-face ĂŒber die AktivitĂ€ten informiert
  • 21.000 Menschen auf Social Media erreicht
  • 80.000 Menschen durch regionale Medien erreicht

 

   

Bild 1 & 2: Peer Academy © 2019 IZ - Vielfalt, Dialog, Bildung, Bild 3: Foto zum Projekt "Medienkompetenz" © 2019 Society Biliki, Bild 4: Foto zum Projekt "Umwelt" © 2019 Association of interactive education, Bild 5: Foto zum Projekt "Inklusion" © 2019 Buta/UMID