Direkt zum Inhalt

Community Development through Social Entrepreneurship

Nach wie vor steht Armenien vor zahlreichen Herausforderungen, besonders im sozialen Bereich. Hier spielt der NGO-Sektor eine wichtige Rolle und ergänzt die Bemühungen des Staates. Um Veränderungen möglich zu machen, ist eine entsprechende Finanzierung dieser Initiativen notwendig. Der Social Entrepreneurship-Ansatz soll als alternative Möglichkeit der Realisierung solcher Projekte etabliert und entsprechende Kenntnisse in diesem Bereich an lokale Akteure vor Ort vermittelt werden. Gemeinsam mit der NGO International Center for Intercultural Research, Learning and Dialogue sowie dem Chamber of Commerce and Industry of the Republic of Armenia (CCI) und der Organisation KASA Swiss Humanitarian Foundation setzt das IZ das Projekt „Community Development through Social Entrepreneurship“ um.

Finanzielle Unabhängigkeit für nachhaltige Wirkung

Eines der größten Hindernisse für ein effizientes Handeln des NGO-Sektors ist die finanzielle Absicherung, die es den Organisationen ermöglichen kann, ihre Dienstleistungen langfristig zu erbringen. Zur Hauptquelle der NGO-Finanzierung in Armenien gehören aktuell internationale Geldgeber. Besonders NGOs in ländlichen Regionen verfügen in der Regel aber nicht über die notwendigen Kapazitäten, um internationale Förderungen zu beantragen. Darüber hinaus beeinflussen die Prioritäten der verfügbaren Zuschüsse weitgehend die Ansätze und die Themen solcher Initiativen und entsprechen nicht immer den spezifischen Bedürfnissen der lokalen Gemeinschaften. Ein unabhängiges und nachhaltiges Finanzierungssystem bietet die Chance neue, unterschiedliche Projekte vorzuschlagen und die realen sozialen Bedürfnisse besser zu berücksichtigen.

Social Entrepreneurship als Motor für Entwicklung

Vor diesem Hintergrund gilt es Kapazitäten aufzubauen und neue Business-Modelle zu entwickeln, um Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Hier kommt das Konzept Social Entrepreneurship (SE) zum Einsatz. Das Hauptaugenmerk liegt auf der nachhaltigen Entwicklung der Gemeinschaft und Stärkung der Organisationen der Zivilgesellschaft in insgesamt sieben Pilot-Regionen in Armenien: Kotayk, Geghakunik, Shirak, Syunik, Lori, Tavush und Vayots Dzor. Ziel ist es, den Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft in diesen Regionen bei der Realisierung von SE-Projekten zu helfen und entsprechende Kompetenzen aufzubauen. Nachhaltig und langfristig sollen diese Aktivitäten wirken, die lokale Eigenverantwortung für Projekte gesteigert und eine Plattform für Zusammenarbeit und Austausch guter Praxis in diesem Bereich entstehen.

 

 

Start-Up Förderungen

An die vielversprechendsten SE-Initiativen, die vor Ort entwickelt werden, werden Start-Up-Zuschüsse vergeben. Hauptziel dieser finanziellen Unterstützung ist es, den SE-Projekten eine reale Chance zu geben und die notwendigen Erstinvestitionen zu ermöglichen. Weitere Unterstützung und Beratung durch Expert*innen werden zu einer erfolgreichen Umsetzung der Projekte beitragen. Alle von den Projektteilnehmer*innen entwickelten Projektideen werden an dem Wettbewerb für die Start-up-Zuschüsse teilnehmen können.

Gefördert wird das Projekt von der Europäischen Kommission und der Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

 

Zehn Social Entrepreneurs aus Armenien

 

Im Rahmen des Projekts „Community Development through Social Entrepreneurship§ begleitete das IZ von 2016 bis 2017 zehn Social Start-Ups in Armenien auf ihrem Weg in die Selbsständigkeit. Hier die zehn Initiativen in kurzem Portrait:

Kooperative „BRGHATIK“

Die Kooperative BRGAHAT production unterstützt die Kultivierung von Brachland und schafft somit eine Einkommensquelle für Familien in einer ländlichen Region Armeniens, die stark von Abwanderung betroffen ist. Zwei Fabriken wurden errichtet und verarbeiten den Buchweizen, der aktuell von zehn Familien in der Region angebaut wird. Neben dem notwendigen Saatgut erhalten die Beteiligten Schulungen und Trainings zum Anbau und Pflege dieser Pflanze. Die Verarbeitung und der Verkauf werden von der Kooperative übernommen. Die Familien geben ihrerseits das erworbene Wissen an andere Interessierte weiter. So kann die Kooperative wachsen und neue Lebensgrundlagen für die Bevölkerung in der Region werden geschaffen.

National Studio of Crafts and Art Interaction

Die Organisation versammelt Absolvent*innen der Kunstschule, lokale KünstlerInnen und HandwerkerInnen, die Vorhänge und andere kunstvolle Einrichtungsgegenstände in armenischen Design produzieren. Ein eigenes Vertriebsnetz wurde aufgebaut und Teile des Erlöses fließen in die Entwicklung eines Nationalpark-Museum für Skulpturen sowie ein Gemeindemuseum in Gyumri ein.

Studio „Lori Art“

Das Nähatelier „Lori Art“ produziert traditionelle armenische Puppen, Taschen, Bettwäsche, Shirts und Hüte. 3D-Computer werden bei der Entwicklung der Modelle eingesetzt. In der Produktion arbeiten Menschen mit Behinderung. Mit dem Gewinn aus dem Verkauf der Waren werden NGO-Projekte für Menschen mit Behinderung in der Region unterstützt.

Workshop-Teahouse „Bohem“

Das Seminarhaus BOHEM in Sevan bietet verschiedene Unterhaltungs- und Freizeitangebote für die lokale Bevölkerung an. Sie organisieren Konzerte, Theater, Diskussionsrunden, Trainings- und Workshopangebote im Kunst- und Kulturbereich für Kinder und Erwachsene. Das Haus steht allen Menschen offen, egal ob Touristen oder Einheimische, junge KünstlerInnen und Kunstschaffend und StudentInnen. Das Hause eröffnet Räume für Menschen mit verschiedenen Talenten und bietet diesen die Möglichkeit, ihr Können an andere weiterzugeben und ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen.

Bäckerei Poghots Paradi 588

In der Bäckerei werden armenische Backwaren hergestellt, wobei in der Produktion nur Zutaten aus ökologisch Nachhaltigem zum Einsatz kommen. Traditionelle Rezepte werden herangezogen und neuinterpretiert. So können auch gänzlich neue Backwaren entstehen. Die Bäckerei verkauft ihre Produkte auch als Souvenirs an Touristen und beschäftigt ausschließlich Menschen mit Behinderung.

ARC Eco Camps

Um ökologisch nachhaltigen Tourismus dreht sich alles beim Social Start-Up „ARC Eco Camps". Zwei Ferien-Camps mit Permakulturgarten wurden in Kapan und Arajadzor errichtet. Neben der Beherbergung von Touristen und der Weitergabe von Informationen rund um den Permakulturanbau beschäftigt sich die Organisation mit dem Aufbau einer nachhaltigen touristischen Infrastruktur und bindet dabei die lokale Bevölkerung aktiv mit ein. So werden etwa Wanderwege in der Region designt und entsprechend ausgeschildert.

Clean Goris – Plastic from Plastic

Dieses soziale Unternehmen organisiert die Sammlung von Plastikmüll in der Stadt Goris und führt diese der Wiederverwertung zu. Aus den Abfällen werden neue Produkte wie Krüge, Schalen und andere Behältnisse kreiert. Zugleich führt die Organisation verschiedene Kampagnen durch, um die lokale Bevölkerung zu sensibilisieren und für den sorgsamen Umgang mit Plastik sowie die Recycling-Idee zu begeistern.

Mountain Goods

Wild wachsende Kräuter und Gewürze werden von der lokalen Bevölkerung gesammelt und dann entsprechend weiterverarbeitet und verkauft. Mehr als 70 Familien in Vardenik und Umgebung erhalten so ein Einkommen. Zudem werden Anbaumöglichkeiten für verschiedene neue Produkte vorgestellt. Auch Jugend- und Kulturangebote in der Region werden von diesem Social Start-Up organisiert und durchgeführt.

#BEPAHAPAN

Die Organisation Pahapan Development Foundation etablierte mit Hilfe der Kampagne #bepahapan – for safer live of border villagers ein Netzwerk aus Hotels, Restaurants und Cafés, die Produkte von lokalen Herstellern und Bauern in Tavush beziehen und zugleich Spenden, z.b. für den Bau von Notfallsbunker in Schulen, sammeln. Durch diese Kampagne konnte erfolgreich ein neues Vertriebsnetz aufgebaut werden. Die Bauern aus Tavush haben durch diese Kooperation mit Hotels und Restaurants nun einen neuen Absatzmarkt für ihre Produkte in der Hauptstadt gefunden. Chemiefreie, ökologisch angebaute Produkte lokaler Hersteller aus Tavush werden nun in den Lokalen der Hauptstadt angeboten und beworben und der Gewinn fließt wieder zurück in Projekte in der Region.

IT-sphere as a basis for development of bordering regions

In der Grenzregion Noyemberyan werden junge Jobsuchende in der Nutzung und Anwendung des 3D-Druckverfahrens ausgebildet, um zukünftig ihre eigenen Produkte kreieren und in Online-Shops anbieten zu können. In einem weiteren Schritt sollen 3D-Drucker vor Ort entwickelt und so dieses Geschäftsmodell weiter ausgebaut und noch mehr Menschen in der Region zugänglich gemacht werden. So können neue Einkommensquellen für die Menschen vor Ort gewonnen werden.

Laufzeit:

2015-2017

Fördergeber*innen:

Europäische 
Kommission (EuropeAid),
ADA (Austrian Development Agency)

Beteiligte Länder:

Armenien, Österreich, Schweiz

Kontakt
© Bernadette Reiter 2019

Franjo Steiner

Projektmanagement
franjo.steiner@iz.or.at